Bahnhof der Vatikanstadt Posted November 30, 2014 | Tags: , , , , ,

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Stazione del Vaticano

Der Bahnhof, vatikanische Gärten, Gregorio VII

 

Das Jasmintal, südwestlich des Petersdoms, war mal eine duftige Landschaft. 1950 ca. begann man das Gebiet zu verbauen. Nur eines hat sich aus der guten alten Zeit herübergerettet: das aus Ziegelsteinen gemauerte Eisenbahnviadukt. Es ist geschmückt mit den Rutenbündeln, die “Duce” Mussolini als Herrschaftszeichen verwendete – das war Mode damals -, und es endet an einem grauen Stahltor.

Brücke Gregorio VII

1966 Via Gregorio VII – ponte ferroviario

Gleich dahinter liegt eine der unbekanntesten Kuriositäten des Vatikans: der Bahnhof des Papstes.
Die Nutzung des Empfangsgebäudes war von Anfang an ein seltenes Ereignis. Während Planung und Bau gingen die Beteiligten noch davon aus, dass hier glanzvolle Staatsempfänge stattfinden würden. Das ist nie eingetreten. Der Vatikan besitzt auch kein eigenes Bahnhofs- oder Bahnpersonal. Dieses wird seitens der italienischen Eisenbahn gestellt.

 

 

In der Regel wird lediglich Schienengüterverkehr über den Bahnhof abgewickelt. Personenverkehr ist äußerst selten und beschränkt sich auf wenige Sonderzüge:
Der erste Papst, der den Bahnhof persönlich nutzte, war Johannes XXIII.: Am 4. Oktober 1962 – eine Woche vor Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils – nutzte er ihn für eine Pilgerfahrt nach Loreto und Assisi. Als Fahrzeug diente dazu der für diesen Anlass ausgeliehene Sonderzug des italienischen Staatspräsidenten. Da Pius IX. der letzte Papst gewesen war, der Loreto – noch als Staatsoberhaupt des Kirchenstaats – besucht hatte, dabei auch als letzter Papst mit der Bahn gefahren war oder sich außerhalb der Mauern des Vatikans aufgehalten hatte, wurde diese Fahrt als symbolischer Bruch gegenüber der Tradition der Weltabgewandtheit und Öffnung gegenüber der Welt gewertet.
Papst Johannes Paul II. nutzte die Bahn wenige Male als Ausgangs- und Endpunkt von Reisen innerhalb Italiens:
Am 8. November 1979 – eher symbolisch – für eine Fahrt zu den römischen Bahnhöfen Salario, San Pietro, Trastevere und Roma Termini anlässlich des „Tags der Eisenbahner“ und eines Treffens mit Rangierern im Bahnhof Salario.
1986 bei der Rückkehr von seinem Besuch in Indien, da wegen Schnee sein Flugzeug nicht in Rom landen konnte, sondern in Neapel; von dort fuhr er mit dem Zug in den Vatikan zurück.
Am 24. Januar 2002 zu einer Pilgerfahrt nach Assisi.
Papst Benedikt XVI. nutzte am 27. Oktober 2011 den Bahnhof anlässlich seiner Zugfahrt nach Assisi zum Weltfriedenstreffen.

 

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